Karpadendeutsche in der Slowakei

Impulsgeber für Kultur und Wirtschaft

Seit rund 1000 Jahren leben die Karpatendeutschen in der Slowakei. Deutsche Touristen können sich auf ihrer Reise durch die Slowakei auch ohne Sprachführer verständigen. Schließlich leben schon seit rund 1000 Jahren Deutsche in Bratislava oder der Zips. Diese so genannten Karpatendeutschen haben wichtige Impulse für die kulturelle und ökonomische Entwicklung zwischen Donautal und Tatra gesetzt.

Bereits Stephan, der erste König Ungarns, holte zu Beginn des 11. Jahrhunderts deutsche Bergarbeiter, Handwerker und Kaufleute in die Slowakei. Im 13. und 14. Jahrhundert kam es dann zu einer richtigen Einwanderungswelle aus Deutschland. Damals betrug der Anteil der Deutschen an der slowakischen Gesamtbevölkerung mindestens ein Fünftel.

„Heute sind wir in der Slowakei schätzungsweise zehntausend Karpatendeutsche“, schreibt Ondrej Pöss. „Wir haben dieses Land gern, hier wollen wir zusammen mit den Slowaken, Ungarn, Romas, Tschechen, Ruthenen, Ukrainern und anderen Volksgruppen leben“, betont er in seinem Buch „Kultur und Geschichte der Karpatendeutschen“.

Einwanderer aus Bayern und Schlesien: Die Abstammung der Deutschen in der Slowakei lässt sich vor allem aus der Mundart ableiten. Bei den Bewohnern des Preßburger Siedlungsgebietes herrschte eindeutig die bayerische Mundart vor. Für das Hauerland und die Unterzips ist eine ostmitteldeutsch-bayerische Mischung festgestellt. Für die Oberzips kommt als Herkunftsgebiet der schlesische und sudetenländische Raum in Betracht.

Chmeľnica – zu deutsch „Hopgarten“ ist eine Gemeinde, die im Jahre 1248 unter dem Namen Petersburg von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Heute hat die Ortschaft, die im Norden des Landes nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt,  etwa 900 Einwohner. Diese sprechen  mehrheitlich noch in einer Mundart, die auf dem Schlesischen basiert.

Besucher können auf einer Reise durch die Slowakei viele Spuren und Zeugnisse des karpatendeutschen Einflusses auf die Entwicklung des Landes entdecken. Mit ihren typischen Grundrissformen und Baustilen haben die Deutschen das Bild der slowakischen Städte ebenso geprägt wie die Häuser der Weingärtner rund um die heutige Hauptstadt Bratislava oder die Siedlungen der Bauern und Handwerker in der Zips. Die zahlreichen Holzplastiken und Wandmalereien, die selbst die kleinsten Dorfkirchen in der Slowakei zur Sehenswürdigkeit machen, zeugen von der regen Kreativität karpatendeutscher Künstler.

Deutsche Schulen sind beliebt: Mit der Reformation wurde auch in der Slowakei die Gründung von Schulen vorangetrieben. Zu den bedeutendsten deutschen Schulen gehören die Gymnasien in Kesmark und Preßburg, die im 15. und 16. Jahrhundert gegründet wurden. Seit 1992 werden verstärkt deutsche Kindergärten sowie bilinguale Volksschulen und Gymnasien gegründet. Diese Bildungseinrichtungen sind auch bei slowakischen Familien ohne deutsche Vorfahren beliebt. Von der Innovationsfreude deutscher Erfinder konnte die slowakische Wirtschaft erheblich profitieren. Besonders stolz sind die Karpatendeutschen auf Philipp E. Lenard. Für seine Erkenntnisse auf dem Gebiet der Kathodenstrahlung erhielt er 1905 den Nobel-Preis für Physik.

Hoteliers in der Hohen Tatra: Früh setzten die Karpatendeutschen in der Slowakei auf den Tourismus. 1863 wurde in Schemnitz ein Touristenclub gegründet, der später unter dem Namen „Karpathenverein“ mit der Erschließung der Hohen Tatra für Bergsteiger und Wintersportler begann. Engagierte Unternehmer sorgten dafür, dass die vielen Bäder und Kurorte der Slowakei den Anschluss an internationale Qualitätsstandards finden konnten. „Wagemutige errichteten am Fuße der Hohen Tatra für die wachsende Zahl der Besucher Hotelanlagen, die später immer höher hinauf verlegt wurden“, stellt Ernst Hochberger fest. „Eine Großtat auf medizinischem Gebiet war die Einführung der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Klimatotherapie (in jener Zeit hielt sich in Davos noch kaum ein halbes Dutzend Patienten auf) und der Ausbau derselben, an der Michael Guhr in Weszterheim wesentlich beteiligt war.“

Volksschauspiele, Hexenumgänge zu Luzia oder das Baden der Jungfrauen an Ostern gehören zu den karpatendeutschen Bräuchen, die allerdings immer seltener zu finden sind. Denn die Slowakei ist inzwischen ein modernes Land, das sich dynamisch entwickelt, und in dem junge Mädchen von Robbie Williams schwärmen und Teenies ihre Liebeserklärungen per SMS austauschen. Doch damit der Tatra-Tiger nicht zu einem reinen Wirtschaftsstandort verkommt, in dem westliche Konzerne kostengünstig produzieren, kümmern sich verschiedene Kulturvereine um die Pflege des Brauchtums und veröffentlichen deutschsprachige Publikationen. Als zentrale Dokumentations- und Forschungsstelle ihrer kulturellen Überlieferung dient seit 1993 in der Bundesrepublik Deutschland das Karpatendeutsche Kulturwerk Slowakei e.V., das in Karlsruhe ein Museum mit Bibliothek und Archiv betreibt.

Einen anschaulichen historischen Abriss zeigt auch das Karpatendeutsche Museum in Bratislava. In den Vitrinen sind auch die Trachten ausgestellt, die je nach Region entweder an farbenfrohe Dirndl erinnern oder sich eher am Stil zweckmäßiger Arbeitskleidung orientieren.

Informationen: Slowakische Zentrale für Tourismus * Zimmerstraße 27 * 10969 Berlin * Telefon 030-25942640 * Telefax 030–25942641 * Email: tourismus@botschaft-slowakei.de * Internet: www.slovakia.travel

Text und Foto: POSITIV-MEDIEN (Waldemar Herzog * PR-gbk)

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